Schulpartnerschaft


Die Partnerschaft mit der Fachhochschule in Périgueux …


… stellt eine große Bereicherung für unsere Einrichtung dar. Es begann alles im Frühjahr 1995 mit einer Anzeige in der Verbandszeitschrift der französischen Deutschlehrer, A.D.E.A.F., mit der wir uns erhofften, eine für eine Partnerschaft in Frage kommende französische Bildungseinrichtung zu finden, obwohl es in Frankreich gar keinen Zweiten Bildungsweg gibt. Als dann im Sommer desselben Jahres Martine Demouy mit uns Kontakt aufnimmt, ist der Grundstein für unseren Austausch gelegt. Sie arbeitet zwar an einer Fachhochschule, doch davon lassen wir uns nicht abschrecken, zumal die Altersstruktur der Studierenden fast gleich und das Ausbildungsprofil im fremdsprachlichen Bereich dem unseren sehr ähnlich ist. Martine Demouy ist zu jener Zeit erst seit kurzem an dem Institut Universitaire de Technologie, kurz I.U.T., beschäftigt und sofort begeistert von der Idee eines Austausches mit einer Region, die ihr schon aus der Zeit, als sie noch als Gymnasiallehrerin arbeitete, bestens bekannt und vertraut ist. So steht einer ersten Begegnung im März 1996 in Potsdam nichts mehr im Wege. Seither findet in jedem Frühjahr ein Austauschtreffen in Potsdam statt, und unsere Studierenden fahren jeweils im Herbst zum Gegenbesuch nach Périgueux. Hier ist in den vergangenen vierzehn Jahren etwas gewachsen, was schon längst nicht mehr nur eine formale Partnerschaft, sondern inzwischen eine echte Freundschaft geworden ist.

Derzeit studieren in Périgueux 112 zumeist weibliche Studenten am Fachbereich für Touristik. Ihre Ausbildung dauert zwei Jahre und umfasst zwei Praktika von insgesamt 16 Wochen, worunter auch ein Auslandspraktikum sein sollte. Es freut uns natürlich ganz besonders, dass sich einige französische Studierende nach unserem Austausch entschieden haben, ihr Auslandspraktikum in Potsdam und Berlin zu machen. Das I.U.T. Périgueux Bordeaux IV, das zwar zur Universität von Bordeaux gehört, jedoch seit 1998 eine eigene Verwaltung und einen eigenen Direktor besitzt, hat mit seinen vier Fachbereichen für Touristik, Verkaufstechnik, Biologie und Génie chimique mittlerweile über 450 Studenten vorzuweisen. Diese Zahl wird schon bald anwachsen, wenn eine weitere Fachhochschule hinzukommt, die sich derzeit noch im Bau befindet. Diese Entwicklung wird sicherlich zur weiteren Belebung der knapp 33.000 Einwohner zählenden Kreisstadt des Départements Dordogne beitragen. Eine belebte Vergangenheit hat die kleine Stadt an dem Flüsschen Isle ohnehin. Für die Römer wurde Vesuna Civitas Petrucorum, wie Périgueux damals hieß, eine wichtige Kolonie, die zu jener Zeit kaum weniger bedeutend war als Bordeaux. Parallel zum Niedergang der römischischen Civitas entwickelte sich hier ab dem 5. Jahrhundert eine christliche Gemeinde um die Grabstelle des heiligen Frontus. St. Front war einer derer, die den christlichen Glauben in diese Region gebracht haben. Er soll ein Schüler des Petrus gewesen sein, auf alle Fälle jedoch ist er ein regionaler Heiliger. Deshalb benannten die Christen ihre Siedlung nach ihm: Puy St. Front. 1251 schlossen sich die beiden Orte zur Ville Périgueux zusammen, die 1360 für kurze Zeit englisch wurde. Die großen Ereignisse der folgenden Jahrhunderte gingen an der Stadt vorbei, Absolutismus und revolutionärer Zentralismus machten Périgueux zur Provinzstadt. Daran hat auch die Ansiedlung der staatlichen Briefmarkendruckerei seit 1945 nichts geändert. Dem Stadtbild hat diese Entwicklung nicht geschadet. Die mittlerweile zu großen Teilen restaurierte Altstadt lädt den Besucher ein, in ihre verwinkelten Gassen einzutauchen und sich auf eine Zeitreise zu begeben. Ich hoffe, dass noch viele unserer Studierenden die Gelegenheit haben werden, die Schönheit der Stadt Périgueux und des gesamten Périgords zu entdecken, das mit seinen malerischen Schlössern, romantischen Festungen und phantastischen vorgeschichtlichen Zeugnissen, wie etwa den einzigartigen Höhlenmalereien von Lascaux, mit Recht zu einer der reizvollsten Kulturlandschaften Europas zählt. Und wer wollte bezweifeln, dass die Vielfalt dieser Region im Südwesten Frankreichs nicht auch für reichlich Gaumenfreude zu sorgen vermag. Also dann, à bientôt, les copains!


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